Adorable Fabulous Amélie simply the Best

Die ersten Wochen mit ihr waren alles andere als einfach: unsere Tochter war vor kurzem unheilbar an Diabetes Typ1 erkrankt und extrem schlecht einzustellen. Wir lebten in ständiger Sorge um sie und litten unter chronischem Schlafmangel aus berechtigter Angst vor häufigen unberechenbaren Blutzuckerabfällen.

Dazu kam nun noch eine weitere anspruchsvolle Aufgabe: ein quirliger Welpe, der fröhlich wuselnd die Welt erobern wollte. Jedes wehrlose Stofftier wurde gnadenlos zerfleischt, jeder frischgewaschene Teppich zielsicher vollgepinkelt (Stubenreinheit war übrigens viele Monate ein leidiges Thema). Zu allem Überfluss fand unser (eigentlich sehr lieber) Beaglemix Kalli den kleinen quirligen Zwerg entsetzlich und knurrte ihn drei ganze Wochen ohne Unterbrechung an.

Aber wir hatten ja große Pläne für die kleine Maus: Amélie soll Diabetes-Warnhund werden und uns die gefährlichen Unterzuckerungen unserer Tochter frühzeitig anzeigen, langfristig unsere Nachtschichten abnehmen und außerdem in möglichst jeder Situation (Schule, Sport, Freizeitaktivitäten) dabei sein und auf unsere Tochter aufpassen.

Schnell begannen wir also mit dem Training in einem Ausbildungszentrum, welches Amélie immer sehr viel Spaß macht. Sie ist der geborene Arbeitshund, der gefördert werden will, viel Beschäftigung braucht, gerne Befehle ausführt und uns damit gefallen will. Um drei Ecken denkt sie dabei selbst nicht unbedingt, vielmehr bekommt sie eine Aufgabe und führt diese dann gerne und zielsicher aus.

Bezaubernd ist sie wirklich. Sie zieht Blicke magisch an. Und Hände. Kaum ein Spaziergang vergeht, an dem man nicht auf sie angesprochen wird und unsere bezaubernde Amélie in den Genuss von extra Streicheleinheiten kommt. Auch zunächst eher skeptische Menschen und ängstliche Kinder fassen sehr schnell Vertrauen durch ihre unaufdringliche, zurückhaltende und immer freundliche Art. Sie lässt auf sich zukommen, nicht umgekehrt. Früher oder später unterliegt einfach jeder ihrem Charme! Ein großer Pluspunkt in der Therapiearbeit.

Fabelhaft tiefenentspannt. Selbst im allergrößten Getümmel ist Amélie stets die Ruhe selbst. Kein Geräusch ist zu laut, keine Menschenmenge zu groß, keine Situation für sie problematisch. Wir haben noch nie erlebt, dass Amélie irgendwie gestresst wirkte. In der Schule döst sie entspannt unter dem Tisch, genau bis zu dem Zeitpunkt, bis es zur Pause klingelt: dann wird zeitgleich mit allen Kindern losgerannt und wild auf dem Pausenhof herumgetobt – um dann im Klassenraum wieder die Ruhe selbst zu sein.

Wo Kinder sind, ist auch Amélie! Den achten Geburtstag unserer Tochter mit 12 lärmenden und als Hexen verkleideten Gästen, in der Luft herumschwingenden Besen und Feuerwerk hat sie bereits im zarten Alter von fünf Monaten einfach lustig mitgefeiert, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Amélies Lieblingsplatz ist außerdem der Schaukelstuhl: In solchen Momenten sehe ich sie in Gedanken als Welpe bei Tanja auf dem Wackelbrett stehen und die ihr angebotene Leberwurstpaste lecken. Das Stressresitenztraining zahlte sich im diesem Fall mehr als aus!

Amélie verfügt über ausgeprägten Gerechtigkeitssinn: wenn Rüden zu aufdringlich werden, sie von Katzen verdroschen wird, oder man in ihren Augen den falschen Ton trifft, gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie selbst hat nie etwas Böses im Sinn, knurrt zwar auch mal kurz, wenn ihr unsere Tochter zu wild erscheint, wird aber niemals aggressiv. Sie jagt nicht, ist allen anderen Tieren zurückhaltend-interessiert und fremden Hunden (mit kleinen Einschränkungen) gegenüber stets freundlich, unaufdringlich und fordert sie zum Spielen auf.

Sie schwimmt und apportiert sehr gerne. Gerne in Kombination. Sie braucht viel Bewegung und liebt lange Spaziergänge. Überhaupt macht ihr das draußen sein Spaß und sie hält sich stundenlang im Gestrüpp stöbernd oder in der Sonne dösend im Garten auf.

Ihre Wachhundqualitäten halten sich leider in Grenzen: stets wird beim leisesten Geräusch laut angeschlagen, zwischen Postboten, Nachbarshunden oder dem aus dem Nachtdienst kommenden Herrchen wird dabei leider kein Unterschied gemacht. Auch nachts um halb drei nicht.

Amélie fährt liebend gerne im Auto mit. Überhaupt ist sie gerne und immer dabei – egal wo es hingeht, Ausflüge sind genau ihr Ding. Man kann sie prima auch in fremden Haushalten parken, Hauptsache sie ist unter Menschen. Dafür ist das alleine zuhause bleiben immer noch problematisch: mehr als eine knappe Stunde ist trotz Hundegesellschaft und hartem Training kaum drin. Wenn man dann nach drei Trainingsminuten wieder reinkommt, wird man überschwänglich begrüßt, als wäre man fünf lange Jahre weg gewesen. Die Besonderheit dabei: sie zieht dann die Lefzen hoch, so dass es aussieht, als würde sie „lachen“, was uns immer selbst zum Lachen bringt!

Simply the Best
Aktuell stehen wir kurz vor Abschluss der Warnhund-Ausbildung. Blutzuckerabfälle werden (auch bei Fremden) mittlerweile ziemlich sicher (durch klingeln, kratzen, bellen und apportieren des Notfalltäschchens) angezeigt, sie wartet dabei allerdings noch auf ihr Kommando und trifft ungern eigene Entscheidungen, woran wir aktuell gerade arbeiten.

Mittlerweile hat sich unsere Gesamtsituation etwas entspannt und -letztendlich auch durch Amélie- verbessert.

Selbst wenn unser Warnhund-Plan nicht aufgegangen wäre, tut so ein Hund ja auch einfach der (Kinder-) Seele gut! Amélie ist mit ihrer Fröhlichkeit und (inzwischen;) sehr sanften und ausgeglichenen Art nicht mehr wegzudenken. Und zum Glück sind Kalli und Amélie dann auch noch richtig dicke Freunde geworden:)

An dieser Stelle: Herzlichen Dank an Tanja, die Amélie für uns so passend ausgesucht und die von Anfang an an uns geglaubt hat. Die uns immer ein Ansprechpartner ist und wirklich jede Frage schnell und professionell beantwortet!